Beim App Summer Camp werden Schülerinnen zu Programmiererinnen

Berufe, in denen technisch-mathematisches Wissen gefragt ist, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Wer also ein entsprechendes Studium antritt, hat beste Karrierechancen. Das gilt selbstverständlich auch für Mädchen, doch die sind in den sogenannten MINT-Fächern immer noch in der Minderheit. Zum Glück gibt es Initiativen wie das App Summer Camp, das Schülerinnen dazu verhilft sich erste Programmierkenntnisse anzueignen. Wir haben die Abschlussveranstaltung besucht und dabei eine Reihe bemerkenswerter Apps zu sehen bekommen.

App Camps ist ein von Diana und Philipp Knodel gegründetes gemeinnütziges Startup aus Hamburg, das Kinder für das Programmieren begeistern und Computerkenntnisse in die Schulen bringen möchte. Begonnen hat alles mit dem ersten App Summer Camp im Jahr 2013. Damals bekamen zwölf Mädchen bei der dreitägigen Veranstaltung die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit der Programmierung von Apps zu sammeln. Vom 25. – 27. Juli 2018 fand nun die fünfte Ausgabe statt. 21 Schülerinnen im Alter von 14 bis 17 Jahren hatten sich deutschen Google-Zentrale in Hamburg getroffen und in Gruppen aufgeteilt insgesamt sieben Apps entwickelt.

Programmieren ist Puzzeln für Fortgeschrittene

Programmiert wurde naheliegenderweise mit dem von Google konzipierten App Inventor. Der App Inventor ermöglicht es, mithilfe vorgegebener Bausteine relativ schnell funktionierende Apps zu erstellen. Logisches Denken und ein Plan, was die App leisten soll, sind aber selbstverständlich unverzichtbar. Eine der Schülerinnen bezeichnete das Programmieren nach dieser Methode als „Puzzeln für Fortgeschrittene“.

Philipp und Diana Knodel, das Gründerpaar von App Camps

Gefallen ist dieser treffliche Satz während der Abschlusspräsentation am vergangenen Freitagnachmittag. Gekommen waren überwiegend die Familien der Mädchen, aber auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. Sie ist zudem Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung und somit in mehrfacher Hinsicht eine geeignete Gastrednerin für das App Summer Camp. „Wer programmieren kann, gestaltet die Zukunft“, zitierte sie das Motto von App Camps und versprach, noch mehr für die Förderung von Informatik und die Digitalisierung von Schulen und Hochschulen zu tun.

Sortieralgorithmen praktisch erklärt

Davon würden alle profitieren, nicht nur Mädchen, die allerdings besonders gefördert werden müssen. Viel zu oft herrscht noch das Klischee vor, Frauen und Technik würden nicht zusammenpassen. Die Teilnehmerinnen des App Summer Camps zumindest bewiesen das Gegenteil. Am ersten Tag hatten sie sich zunächst einmal kennengelernt und einen einfachen Sortieralgorithmus am eigenen Leib erlebt. Dafür mussten sie sich nur in der richtigen Reihenfolge aufstellen, etwa nach Alter oder Anfangsbuchstaben des Vornamens. Auch die Programmierung einer ersten App, bei der eine Katze „Miau“ macht, stand schon auf der Tagesordnung.

Katharina Fegebank, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung

Am zweiten Tag präsentieren die Mädchen dann ihre Ideen und bildeten Gruppen, um diese umzusetzen. Viele assoziieren mit Apps vielleicht Spiele, doch nur ein Team hatte sich dieses Thema ausgesucht und sich konsequenterweise Tripple A Games genannt. Bei „SnAke it“ muss man durch geschicktes Bewegen des Handys dafür sorgen, dass eine Schlange möglichst viele Äpfel und Münzen einsammelt.

Praktische Apps dominierten beim App Summer Camp

Praktische Tipps für Küche und Garten bieten „My Garden“ und „Bake the Cake“. Die Gartenapp beinhaltet nicht nur ein Pflanzenlexikon, das die Nutzer selbst erweitern können, sondern erinnert auch daran, wenn die Pflanzen mal wieder gegossen werden müssen. „Bake the Cake“ klärt über die Inhaltsstoffe von Backwaren auf und lässt einen die Zutaten spielerisch zusammenstellen.

Ein Thema, das die teilnehmenden Mädchen besonders beschäftigt, ist naturgemäß die Schule. Gleich zwei Apps versprechen daher Hilfe im Schulalltag. „Smart Planner“ bietet unter anderem eine Reihe von Tipps und Tricks, beispielsweise, wie sich Kugelschreiberflecken aus der Kleidung entfernen lassen. Mit „Cleverer Schulplaner“ hat man immer den Überblick über den Stundenplan und kann Vokabeln in mindestens vier Sprachen üben.

Das große Gruppenbild vom Schlusstag.

Vervollständigt wurde die Liste der vorgestellten Apps durch zwei digitale Reiseführer. „City Explorer“ sorgt dafür, dass den Besuchern Lübecks keine Sehenswürdigkeiten entgehen, „Travelpedia“ verhilft zu besserer Orientierung in Hamburg. Bemerkenswert an „Travelpedia“ ist zudem, dass die App komplett auf Englisch verfasst ist.

Das Team sorgt für den Erfolg

Alle Gruppen stellten nicht nur ihre Apps live vor, was auch prima klappte, sondern berichteten auch von ihren Erfahrungen der vergangenen drei Tage. Die Aussagen lassen sich in Kurzform so zusammenfassen: Programmieren ist gar nicht so schwer, wenn man sich gut vorbereitet und organisiert und genug Geduld mitbringt. Entscheidend ist das Team, nur gemeinsam erreicht man sein Ziel.

So konnten am Ende alle stolz auf das Erreichte sein, nicht zuletzt die insgesamt neun ehrenamtlichen Mentorinnen, die den Mädchen stets mit IT-Kenntnissen zur Seite standen. Ob und wie die Teilnehmerinnen ihre neu erworbenen Fähigkeiten nutzen werden, lässt sich natürlich noch nicht vorhersagen. Nicht jede wird zu einer Ada Lovelace (Erfinderin des Programmierens) oder Margaret Hamilton (Chefentwicklerin von NASA-Software) heranwachsen. Aber wenn das App Summer Camp die eine oder andere Gründerin oder Computerspezialistin hervorbringt, ist schon viel erreicht.

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