Beim Female Future Force Day war die Macht mit den Frauen

Der erste Female Future Force Day von Edition F in Berlin war ein großer Publikumserfolg und bot ein beeindruckendes Konferenzprogramm. Wir waren auch dabei und haben uns unter anderem Tipps für den Umgang mit Investoren und für richtiges Netzwerken geholt.

Berlin, Bahnhof Ostkreuz, 25. August 2018. Irgendwo soll hier der Shuttlebus zum Female Future Force Day stehen. Für Ortsfremde zwischen mehreren Baustellen gar nicht so leicht zu finden, wären hier nicht so viele Frauen unterwegs gewesen, die offensichtlich alle dasselbe Ziel hatten. Und so reihten wir uns in eine Schlange ein, die nicht die letzte an diesem Tag bleiben sollte. Schlange stehen gehörte dazu beim erstmals durchgeführten Female Future Force Day. Dafür gab es einen sehr erfreulichen Grund.

Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert eröffneten den Female Future Force Day.

Es waren nämlich über 4.000 Frauen (und einige Männer) gekommen. Ein überwältigender Erfolg, mit dem auch die Veranstalterinnen so nicht gerechnet hatten. Dementsprechend war Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert, Gründerinnen des Online-Magazins EDITION F, die Freunde und auch die Erleichterung deutlich anzumerken, als sie ihr Publikum begrüßten. Erst am Vortag hatte die Veranstaltung den Break-Even-Point erreicht, rund neun Monate, nachdem die Vorbereitungen begonnen hatten.

Der Mut der Veranstalterinnen des Female Future Force Day wurde belohnt

Finanziell war der FFFD also auf der sicheren Seite angekommen. Was das Programm angeht, konnte man schon im Vorfeld von einem Volltreffer ausgehen. Da beeindruckte die Fülle an Themen und Speakerinnen, darunter viele prominente Namen. Den Anfang machte Rose McGowan, Schauspielerin und eine der Mitbegründerinnen der #metoo-Bewegung. In ihrer kurzen Keynote über Mut erklärte sie:

Being brave doesn’t mean you are not scared – it means you do it anyway.

Rose McGowan sprach über Mut.

Beiträge zu Politik und Frauenrechten waren einer der Schwerpunkte beim Female Future Force Day, aber auch das Thema Unternehmertum zog sich als roter Faden durch den Tag. Dafür gab es sogar einen eigenen Veranstaltungsraum, den Entrepreneurship Space. Dort erzählte beispielsweise Verena Hubertz, wie sie auch ohne IT-Kenntnisse die Koch-App Kitchen Stories ins Leben gerufen und zum Erfolg geführt hat. Einmal war sogar Apple-Chef Tim Cook bei ihr zu Besuch und warf beim Kochen Pfannkuchen durch die Luft.

Videesha Böckle (signals Venture Capital), Maxilimilan Claussen (System One) und Malin Holmberg (Target Golbal) sprachen mit Moderator David Noel darüber, was Investoren wollen.

Was Investoren wollen

Weniger Glück hatte Chanyu Xu, die sich aber auch durch diverse Rückschläge nicht entmutigen ließ und inzwischen schon ihr viertes Startup auf den Weg gebracht hat: Ono Labs mit Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen. Dass es viel mehr Gründerinnen gibt, als oft vermutet wird, zeigte eine Gesprächsrunde mit Investorinnen und Investoren. Bei der Frage an das Publikum, wer den schon gegründet habe, hob fast die Hälfte die Hand. Und als es darum ging, wer noch plane zu gründen, gingen beinahe ebenso viele Hände hoch. Für sie alle hatte die Expertenrunde einige Tipps parat:

  • Sei klar in deiner Vision und fokussiere dich auf ein Projekt.
  • Überlege dir genau, mit wem du zusammenarbeitest und wen du investieren lässt. Was zu Beginn noch die richtige Entscheidung zu sein scheint, kann in der späteren Unternehmensentwicklung zu Problemen führen.
  • Probiere viel aus und ändere gegebenenfalls dein Geschäftsmodell, bevor du auf Investorensuche gehst.
  • Fange nicht mit dem Marketing an, bevor du nicht ein überzeugendes Produkt hast.
  • Sei ehrlich zu dir selbst, lasse auch Kritik zu, aber bewahre dabei deine Widerstandsfähigkeit.

Die vier Grundregeln für erfolgreiches Netzwerken

Sanja Stankovic sprach über die vier Grundregeln für erfolgreiches Netzwerken.

Ein weiterer wichtiger Faktor, um mit seinem Startup oder überhaupt im Berufsleben voranzukommen, ist ein gutes Netzwerk. Aber wie baue ich das auf und was muss ich tun, um davon profitieren zu können? Darum ging es in der Masterclass von Sanja Stankovic, Mitgründerin der Digital Media Women und auch des German StartupSpot. Vier Grundregeln für erfolgreiches Netzwerken hat Sanja ausgemacht:

1. Definiere deine Ziele. Beim Netzwerken geht es in erster Linie darum Leute kennenzulernen, die einen beruflich voranbringen. Geschäfts- und Kooperationspartner, neue Mitarbeiter oder Investoren – je nachdem, welche Ziele gerade im Vordergrund stehen. Entsprechend sollte man jederzeit bereit sein, sein Startup und sich selbst kurz und prägnant vorzustellen. Smalltalk gehört dazu, aber wichtige Entscheider wollen vor allem wissen, was du tust und was sie für dich tun können.

2. Das Netzwerk ist nur so viel wert wie seine Mitglieder. Qualität geht vor Quantität. Tausend lockere Kontakte nützen nichts, wenn sie dir nicht weiterhelfen können und nicht gepflegt werden. Deshalb konzentriert euch auf die Personen, die für euch wirklich hilfreich sind, und bleibt in möglichst engem Kontakt mit ihnen.

3. Erst geben, dann nehmen. Eine Weisheit von biblischer Dimension: Wenn ich von einer Person etwas möchte, sollte ich zuerst überlegen, was ich ihr zu bieten habe. Den anderen wertzuschätzen und nicht nur als Mittel zum Zweck zu betrachten, ist die wichtigste Voraussetzung für ein funktionierendes Netzwerk.

4. Netzwerkpflege kostet Zeit. Ein funktionierendes Netzwerk lässt sich nicht über Nacht aufbauen, obwohl gerade Abendveranstaltungen dafür geeignet sind. Mancher Kontakt und manche Vorleistung (siehe Punkt 3) erweist sich erst Monate später als nützlich.

Auf dem Außengelände am Spreeufer  gab es Foodtrucks und reichlich Gelegenheit für Gespräche.

Viel Platz und Zeit für Vorträge und Begegnungen

Eine ideale Möglichkeit zum Netzwerken bot natürlich der Female Future Force Day. Der Veranstaltungsort, das Funkhaus Nalepastraße direkt an der Spree, hatte nicht nur Platz für ein riesiges Angebot an Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops, sondern auch für Begegnungen untereinander. Für viele ist bei solchen Veranstaltungen sowieso der Austausch mit anderen Besucherinnen das Wichtigste. Wo gibt es sonst schon die Gelegenheit, mit so zahlreichen erfolgreichen und ambitionierten Frauen so leicht ins Gespräch zu kommen?

Sara Nuru sprach mit Isa Sonnenfeld über ihr Startup.

Der einzige Nachteil: Dadurch verpasste man noch mehr von dem großartigen Programm. Jede Menge Entdeckungen gab es da zu machen, und natürlich lockten bekannte Persönlichkeiten wie Miriam Meckel, Anja Reschke oder Katrin Göring-Eckardt. In die Prominentenkategorie gehört auch Sara Nuru, bekannt geworden durch Germany’s Next Topmodel. Beim FFFD präsentierte sie sich allerdings als Unternehmerin, die zusammen mit ihrer Schwester nuruCoffee gegründet hat. nuruCoffee verkauft Kaffee aus Äthiopien und unterstützt damit Frauenprojekte in dem Land.

Diskutierten über #metoo und wie es in Deutschland jetzt weitergehen soll: Pascale Müller, Jasmin Tabatabai, Ulrike Dotzer, Farah Bouramar und Teresa Bücker.

Am Ende des Events schloss sich thematisch der Kreis mit einer Diskussionsrunde über die #metoo-Bewegung in Deutschland. Auch wenn die inzwischen etwas Schwung verloren zu haben scheint, steht die dadurch angestoßene Debatte erst am Anfang, da waren sich die Diskutantinnen einig. Zumindest solange Frauen nicht in allen Bereichen die 50 % bekommen, die ihnen zustehen, muss es weitergehen. Veranstaltungen wie der Female Future Force Day können da einen wichtigen Beitrag leisten.

Über den StartupSpot Female Founders

Es gibt sie, die Gründerinnen – und wir machen sie jetzt sichtbar! Mit dem StartupSpot Female Founders haben wir eine nationale Datenbank geschaffen, in der alle Startups mit mindestens einem weiblichen Gründungsmitglied zu finden sind. Dort bieten wir einen permanenten Einblick über die Entwicklung des Startup-Ökosystems, das von weiblichen Gründern mitgeprägt wird. Über 25 % der deutschen Startup-Teams haben mindestens ein weibliches Gründungsmitglied. Diese Zahl macht deutlich, dass weibliche Gründer keine Randerscheinung mehr sind! Gemeinsam mit unserer Schirmherrin Dagmar Wöhrl, unseren Ambassadoren und unseren Partnern QVC NEXT und Digital Media Women sorgen wir für mehr Sichtbarkeit von weiblichen Rolemodels und ihren Erfolgen! Spannende Geschichten über starke Gründerinnen erwarten euch hier in unserem Female Founders Dossier.