v. l.: Jens Heinrich (General Management), Felicitas Knapp (Public Relations), Kai Przybysz (Research & Development), Robert Libert (Research & Development) (Bild: NAiSE Solutions)

NAiSE Solutions kümmert sich um eure Indoornavigation

Indoornavigation ist die Geschäftsidee von NAiSE Solutions aus Stuttgart. Sie sind zurzeit die einzigen kommerziellen Anbieter auf diesem Gebiet in Deutschland, die GPS-Technik einsetzen. Wir haben mit dem Team, bestehend aus Jens Heinrich, Kai Przybysz, Robert Libert und Felicitas Knapp, über die Herausforderungen eines Tech-Startups in Baden-Württemberg gesprochen.

NAiSE Solutions ist eines von vier Startups, die erfolgreich an einem zusammen mit unserem Netzwerkpartner Startup Stuttgart durchgeführten Weihnachts-Gewinnspiel teilgenommen haben.

 

Könnt ihr euch bitte kurz vorstellen?

NAiSE besteht momentan aus vier Gründern: Robert Libert und Kai Przybysz haben zusammen Elektrotechnik studiert und machen als „Techies“ bei NAiSE die Produktentwicklung.

Zu unseren „Wirtschis“ zählen Jens Heinrich und Felicitas Knapp. Jens hat Wirtschaftsinformatik studiert und als Unternehmensberater gearbeitet – klar, dass er bei NAiSE jetzt für das Management und die Geschäftsentwicklung verantwortlich ist. Felicitas hat „irgendwas mit Medien“ studiert und ist jetzt bei NAiSE für Marketing, Public Relations und Design zuständig.

 

Wie kam es dazu, dass ihr NAiSE gegründet habt?

Angestiftet hat uns Kai, der sich in seiner Master-Arbeit mit dem Mapping von Gebäuden beschäftigt hat. Dabei kam zwangsläufig die Frage auf, mit welcher Technologie sich diese Karten am besten für die Indoornavigation einsetzen lassen. Er überzeugte dann zuerst Robert von der Idee, ein Indoor GPS System zu entwickeln.

Beim Startup Weekend 2015 haben die beiden dann die anderen mit der Idee angesteckt.

v. l.: Jens Heinrich (General Management), Felicitas Knapp (Public Relations), Kai Przybysz (Research & Development), Robert Libert (Research & Development) (Bild: NAiSE Solution)

v. l.: Jens Heinrich (General Management), Felicitas Knapp (Public Relations), Kai Przybysz (Research & Development), Robert Libert (Research & Development) (Bild: NAiSE Solutions)

 

Hat euer Name ’NAiSE’ eine bestimmte Bedeutung?

NAiSE (gesprochen „nice“) war das erste, was wir gesagt haben, als unser Prototyp funktioniert hat! 😉

 

Welches Problem kann euer Startup lösen?

Wir erweitern das GPS-Netz um Gebäude, beziehungsweise um Gebiete, wo es eben keinen GPS-Empfang gibt. Dazu entwickeln wir ein Hardware-System, das den GPS-Empfang in Innenräumen ermöglicht. Das sieht ganz ähnlich aus wie ein WLAN Router, sendet aber eben GPS-Signale aus. Ist unsere Hardware installiert, kann sich der Nutzer genau wie draußen, zum Beispiel mit Google Maps, den Weg im Gebäude auf dem eigenen Smartphone anzeigen lassen.

 

An welches Publikum richtet sich NAiSE?

Wir greifen auf dem B2B-Markt an. Es gibt zahlreiche Anwendungsfälle, wo die Indoornavigation beziehungsweise Positionsbestimmung mit GPS sinnvoll ist. Aus unserer Sicht sind das zum Beispiel komplexe Bürogebäude, Hochschulen oder Museen sowie der Einzelhandel, Messehallen und Parkhäuser, aber allen voran die Logistik und Fabriken, wo mit GPS das Tracking von Waren und Maschinen entlang der gesamten Lieferkette möglich wird – Stichwort Industrie 4.0.

 

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Wir beraten den Kunden bei einer spezifischen Lösung, denn jedes Gebäude hat schließlich seine Eigenheiten. Wir entwickeln und vertreiben die Hardware, übernehmen auf Wunsch auch das Mapping der Innenräume und eine individuelle App-Entwicklung, falls der Kunde keine existierende Karten-App nutzen möchte. Auch für die Wartung und Instandhaltung des Systems sorgen wir.

 

Für die Positionsbestimmung habt ihr euch für GPS entschieden, anstatt für WLAN oder Bluetooth. Was genau spricht dafür GPS zu nutzen?

WLAN oder Bluetooth funktionieren zum Beispiel bei großen Menschenansammlungen nicht so zuverlässig wie gewünscht. Diese Technologien sind für die Indoornavigation zweckentfremdet worden: Ursprünglich wurden sie für die reine Datenübertragung entwickelt. Dagegen nutzen wir mit GPS die seit mehr als 30 Jahren zuverlässig eingesetzte Standard-Technologie zur Navigation. Sie wurde einzig für die Positionsbestimmung entwickelt – warum sie also nicht auch indoor nutzen? GPS ist zudem weniger störanfällig und auch deutlich weniger strahlungsintensiv als WLAN und Bluetooth.

Das beste aber an GPS im Gebäude: die nahtlose Navigation von draußen nach drinnen. Ohne zusätzliche Dienste zu aktivieren, neue Software oder Apps zu installieren oder sogar das Empfängergerät zu wechseln, kann sich der Nutzer vom Navi steuern lassen: Zum Beispiel von zu Hause, über die Autobahn, auf den nächsten freien Parkplatz im Parkhaus bis zum gewünschten Geschäft im Einkaufszentrum.

 

Mit eurer Technologie lassen sich auch Personen überwachen. Wie ist bei euch die Datenschutzfrage geregelt?

Die Datenschutzfrage ist sehr wichtig – allerdings müssen unsere Kunden diese beantworten. Wir stellen lediglich die Hardware zur Verfügung, die ein Tracking von Personen generell ermöglicht. Wir selbst sammeln oder speichern keine Nutzerdaten.

Der Kunde kann selbst entscheiden, ob er unser System nutzen möchte oder nicht, indem er GPS auf seinem Smartphone aktiviert bzw. deaktiviert. Grundsätzlich ist es in Deutschland auch so, dass ein Anwender explizit zustimmen muss, sobald personenbezogene Daten gespeichert oder verarbeitet werden.

Eine anonymisierte Auswertung von Bewegungsdaten trägt aber häufig sogar dazu bei, Angebote für Konsumenten zu verbessern. Denken wir mal an öffentliche Verkehrsmittel: Gäbe es zum Beispiel stets zuverlässige Daten darüber, wann sich wie viele Menschen auf welchem Bahnhof aufhalten, könnte die Streckenplanung extrem optimiert werden. Verkehrsbetriebe könnten besser planen und wir würden uns seltener in überfüllten Zügen wiederfinden.

Beispiel-Installation des Prototyps. (Bild: NAiSE Solutions)

Beispiel-Installation des Prototyps. (Bild: NAiSE Solutions)

 

Was sind eure konkreten Pläne für dieses Jahr?

Wir stecken momentan mitten in der Entwicklung des Indoor GPS Systems, wobei eine Produktvariante schon einsatzbereit ist. Unser aktueller Prototyp funktioniert als „One Position System“. Dieses ist vor allem in komplexen Gebäuden mit vielen kleineren Räumen sinnvoll ist, wo die Genauigkeit der Positionsbestimmung eher zweitrangig ist – zum Beispiel in Bürogebäuden oder öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Hochschulen. Hier ist eigentlich ausreichend, einen bestimmten Raum innerhalb des Gebäudes zu finden, was mit unserem „One Position System“ bereits möglich ist.

Woran wir jetzt – und vermutlich noch bis Ende des Jahres – arbeiten, ist das „Area System“. Dieses bestimmt die Position im Raum je nach Empfängergerät bis hin zu wenigen Zentimetern genau. Das Area System ist daher für die Navigation auf weitläufigem, überdachtem Gelände, wie beispielsweise im Einzelhandel, in Messe- oder in Industriehallen ideal.

 

Wie nehmt ihr das Startup Ökosystem in Baden-Württemberg wahr?

Es gibt in Baden-Württemberg, insbesondere in Stuttgart, eine überschaubare, aber wachsende Startup-Community. Gerade für Tech-Startups wie uns mit Fokus auf Mobilität bzw. die Automobilbranche bietet Stuttgart auch die Nähe zu den großen Unternehmen.

Durch Netzwerk-Veranstaltungen und Accelerator-Programme ist hier schon jetzt einiges geboten – und es soll noch besser werden. Manche sprechen vom zukünftigen „NeckarValley“. Wir freuen uns darauf!

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

NAiSE Solutions im StartupSpot Baden-Württemberg

NAiSE ist ein junges Startup aus Stuttgart, das ein System zur Indoor Positionsbestimmung und Navigation auf Basis der GPS-Technologie entwickelt.

 

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