NOAH 2017 – mit Oliver Samwer im Reich der 1000 Zahlen

Die NOAH 2017 in Berlin war vergangene Woche eine Konferenz der Champions und ein Marathon des Netzwerkens. Unsere Partnerseite Hamburg Startups hat in einem Beitrag schon einige Eindrücke vom ersten Tag der Großveranstaltung vermittelt. Hier folgen nun weitere Impressionen, unter anderem mit Oliver Samwer.

Am Ende des ersten Tages der NOAH wurde es im großen Saal des Tempodroms noch einmal richtig voll.  Angekündigt war nämlich ein Gespräch mit Oliver Samwer. Der sorgt mit seiner Startup-Schmiede Rocket Internet regelmäßig für Schlagzeilen, und dabei nicht selten für negative. Vielleicht war ja auch für heute ein Skandälchen zu erwarten, oder zumindest ein besonders saftiges Zitat?

Oliver Samwer hatte gute Laune

Dazu kam es allerdings nicht. Samwer zeigte sich freundlich und entspannt, immerhin konnte er mit dem Börsengang von Delivery Hero am 30. Juni endlich mal wieder eine Erfolgsgeschichte erzählen. Die passt perfekt zu seinem Motto: „Skalieren, skalieren, skalieren, der Rest kommt, wenn man Gedult hat.“ Die Idee ist dabei nicht entscheidend, bei Rocket wurde immer schon lieber gut kopiert als schlecht erfunden.

Auch für Oliver Samwer sind Menschen das Wichtigste

Samwer nannte als größten Fehler, nicht genug investiert zu haben, und stellte sein Unternehmen als Glücksfall für Startups dar: „Wir unterstützen den ganzen Weg“, „wir sind die Flexibelsten“ und „wir können unsere Erfahrungen mit Gründern teilen“ versicherte er dem Publikum. Dabei spielten Zahlen keine Rolle, Menschen seien das Wichtigste. Das klang alles grundsolide und geradezu sympathisch. Und irgendwie langweilig.

Sobald die Sonne schien, wurde die Dachterrasse des Tempodroms wieder zum beliebten Treffpunkt

Am zweiten Tag kam die NOAH nur Mühsam in Fahrt. Das lag vielleicht auch am Wetter; nach den heftigen Regenfällen der Nacht war es zunächst deutlich kühler und grauer als am Vortag. Für Marco Rodzynek, den Erfinder der NOAH, aber kein Grund, einen Gang runterzuschalten. Er moderierte unermüdlich das Nonstop-Programm auf der Hauptbühne, führte Interviews und Gesprächsrunden und schien wirklich jeden seiner Gäste persönlich zu kennen. Respekt!

Mikkel Svane (Zendesk) und Christoph Janz (Point Nine)

Ein schöne Idee war es, Vertreter von Unternehmen und Investmentfirmen zum Gespräch aufs Sofa zusammenzubringen, zum Beispiel Mikkel Svane von Zendesk und Christoph Janz von Point Nine. Das erinnerte daran, warum viele Besucher zu der Konferenz gekommen waren: um potenzielle Geschäftspartner und Investoren zu treffen. Zudem bot Svane auch noch ein paar zitierfähige Aussagen: „Wir heute ein Startup aufzieht wie vor fünf Jahren wird scheitern“, oder „Paranoia ist gesund“ (zu dem Thema, ob und wie man seine Ideen schützen könne).

Israel als eine führende Startup-Nation

Die NOAH versteht sich in erster Linie als eine europäische Konferenz, bei der natürlich auch große Namen aus den USA nicht fehlen dürfen. Auffällig aber, wie viele Erfolgsunternehmen aus Israel auf der Bühne zu sehen waren. Wix zum Beispiel, ein Webseitenbaukasten ähnlich wie das Hamburger Startup Jimdo, nur international noch deutlich erfolgreicher. Playbuzz mit seinen interaktiven Redaktionselementen, die wahrscheinlich jeder schon einmal genutzt hat („Welche Stadt bin ich?“). Oder der Fahrdienstleister Gett, der 2016 300 Millionen US-Dollar von VW bekommen hat. Diese Liste ließe sich fast beliebig fortführen.

Franziska von Hardenberg bedient mit ihrem Startup Bloomy Days einen Milliardenmarkt

2016 wurden weltweit sechs Millionen VR-Headsets verkauft. Das ist relativ wenig. Allein in Europa werden jährlich 52 Milliarden Euro für Blumen ausgegeben. Das ist ziemlich viel. Der Anteil von Mobile an den Werbeausgaben wird in den kommenden drei Jahren von 15,2 % auf 27 % ansteigen. Das sind nur drei willkürlich herausgegriffene Fakten, die auf der Konferenz zu hören waren. Natürlich waren es noch unzählige mehr; wahrscheinlich reichen alle referierten Zahlen aneinandergereiht zweieinhalb mal um den Äquator.

Tipp: bei der Programmauswahl Schwerpunkte setzen

Was wir damit sagen wollen: Wie bei allen Konferenzen dieser Art war das Programm der NOAH viel zu umfangreich, um es auch nur ansatzweise miterleben, geschweige denn verarbeiten zu können. Davon ausgehend, dass die geplanten und zufälligen Begegnungen am Rande für viele Teilnehmer sowieso der Hauptgrund sind, eine solche Veranstaltung zu besuchen, sollte man sich dringend auf ein bis zwei Bereiche konzentrieren, auch wenn eigentlich alle interessant sind.

Diskussionsrunden wie diese zum Thema Mobilität ließen sich auch auf einer großen Leinwand verfolgen.

Zum Ende hin bot die NOAH noch einmal geballte Startup-Power in zwei Diskussionsrunden zu den Themen Food-Lieferservice und Mobilität. Das saßen dann Mitbewerber wie Delivery Hero und Takeaway.com oder car2go und drivy einträchtig nebeneinander und versicherten sich gegenseitig, eigentlich gar keine Konkurrenten zu sein, sondern sich wunderbar zu ergänzen.

Es lief also alles ziemlich harmonisch ab, mit so vielen erstklassigen Speakern und Höhepunkten, dass ein echter Höhepunkt fehlte. Den lieferte auch nicht das erstmals angesetzte Kickerturnier, dessen Finale auf der großen Bühne ausgetragen wurde. Die meisten Besucher hatten da längst die Heimreise angetreten. Und sie werden wohl überwiegend im nächsten Jahr wiederkommen, denn trotz gewisser Kritikpunkte – ein Branchentreffen auf diesem Niveau gibt es auch in Berlin nicht alle Tage.

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