Paul bei der Eröffnung vom StartupSpot Rhein-Main.

Paul Herwarth von Bittenfeld: Ein Netzwerker erster Güte

Paul Herwarth von Bittenfeld ist ein Netzwerker erster Güte. Einer, der weiß, wie das Startup Ökosystem Rhein-Main funktioniert. Das hat ihn zu unserem Standortpartner für den StartupSpot Rhein-Main gemacht, denn er weiß bestens was der Standort so alles drauf hat!

Paul hat das Netzwerk Rhein-Main Startups gegründet und betreibt es als Ehrenamt. Er veranstaltet gemeinsam mit Partnern Events und Workshops. Zudem berichtet er in seinem Blog über die Geschehnisse am Standort.

Und er hat viel zu tun! Das Startup Ökosystem Rhein-Main brummt. Frankfurt und die umliegenden Städte haben sich unter anderem dem Thema FinTech verschrieben. Innerhalb weniger Jahre haben sich zahlreiche Netzwerke um die Finanzmetropole angesiedelt, die Startups – nicht nur aus dem Fintech-Segment – unterstützen.

Die Herausforderung: Das Startup Ökosystem Rhein-Main umfasst nicht nur mehr als 5 Metropolen sondern auch drei Bundesländer. Das Startup-Leben tummelt sich in einem Umkreis von 120 km rund um Frankfurt. Wir haben mit Paul über die Besonderheiten des Ökosystems gesprochen.

 

Paul, stell dich bitte kurz vor. Wer bist du, was machst du, wenn du nicht gerade Startup Events organisierst?

Ich bin seit vielen Jahren in der IT-Branche unterwegs und Partner in einem Softwareunternehmen aus Wiesbaden mit rund 140 Leuten. Unser Motto ist “Kickass Software, Rock’n’Roll Teams”. Und das ist es auch, was ich super gerne mache: Mit einem motivierten Team neue Software zur Lösung von Problemen einer Zielgruppe zu erschaffen.

Über die Jahre habe ich u.a. verschiedene Tochtergesellschaften im Bereich E-Commerce, Social Networking und Social Media Analytics aufgebaut. Mein aktuelles Baby ist Linchpin, eine Social Intranet-Lösung auf Basis von Atlassian Confluence, die wir sehr erfolgreich bei Mittelständlern und großen Konzernen ausrollen. Damit zeigen wir, dass Intranet auch Spaß machen und die tägliche Zusammenarbeit unterstützen kann. Dort arbeiten wir derzeit mit 5 Entwicklungsteams u.a. auch an Lösungen für große Touch-Screens sowie mobile Endgeräte. Spannend macht es dort auch der Wettbewerb, da wir gegen Player wie Microsoft Sharepoint und JIVE antreten.

Weiterhin unterstütze ich gerade den Aufbau von Codeyard, wo wir Teams dabei helfen, den idealen Tool-Stack für die Softwareentwicklung zusammenzustellen.

 

Wie bist du dazu gekommen, Rhein-Main Startups zu gründen?

Wir waren gerade mitten im Aufbau von TwentyFeet, einem Social Media Analytics-Startup, das wir später an das New Yorker Unternehmen SumAll verkauft haben. Zu der Zeit habe ich auch einige Gastartikel zum Thema Produktmanagement (mein Herzensthema) für Gründerszene und Deutsche-Startups geschrieben.

Die Startup-Szene im Rhein-Main-Gebiet war auf den bestehenden Gründer-Blogs jedoch praktisch nicht existent. Insofern habe ich mich im Sommer 2011 auf die Suche begeben, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass in einer Metropolregion mit 5,5 Millionen Einwohnern nichts passiert.

Im Endeffekt habe ich mit Rhein-Main-Startups.com einfach das dokumentiert, worüber ich auf meiner Suche gestolpert bin. Zunächst waren es Gründungsaktivitäten von Freunden und Bekannten, die ich so mit etwas Sichtbarkeit unterstützen konnte, nach und nach bin ich aber auf immer mehr Initiativen in der Region gestoßen, die bereits gute Arbeit leisteten und viele Veranstaltungen und Austauschplattformen boten.

Parallel gab es in Frankfurt zahlreiche Leute, die ebenfalls aktiv am Aufbau der Gründer- und Techszene waren, wie etwa Mario Hachemer vom Gründerhub FrankfurtRheinMain oder Markus Tacker und Darren Cooper mit #RheinMainRocks. Das hat mich motiviert, am Thema dran zu bleiben und mit dem Blog die Sichtbarkeit innerhalb und außerhalb der Startup-Szene FrankfurtRheinMain zu erhöhen.

Paul Herwarth von Bittenfeld (mitte) ist Gründer von Rhein-Main Startups und übernimmt die Rolle des Standort-Partners für das Rhein-Main-Gebiet

Was kann Rhein-Main, wenn es um Startups geht?

Auf jeden Fall bereits mehr, als in der Öffentlichkeit bisher sichtbar wurde. Das ist mir in den Anfangsjahren meiner Recherche bewusst geworden, in den letzten paar Jahren aber mit einer ganz neuen Dynamik. Über die letzten Jahre hat es sehr viele Gespräche mit den lokalen Wirtschaftsförderungen gegeben und wir haben festgestellt, dass dort zunächst ein Umdenken von der klassischen Förderung eines Handwerks- oder Einzelhandelsbetriebs zur Förderung eines jungen Startups stattfinden muss. Während das eine beibehalten werden soll, sind wir auch heute noch viel im Austausch mit den Städten, was es für das andere braucht.

Die mediale Aufmerksamkeit und die Bedrohung klassischer Wirtschaftszweige haben zu einem Umdenken über die Bedeutung innovativer Jungunternehmen geführt. Seit letztem Jahr hat auch die Aufmerksamkeit durch die Landespolitik noch einmal zugenommen. U.a. ist es so ja zum Start des TechQuartier in Frankfurt gekommen, das von Sebastian Schäfer und Thomas Funke geleitet wird und nun als Booster für die ganze Region fungiert.

Lange Zeit hatten auch in Frankfurt ansässige Unternehmen das Gefühl, mit ihren Accelerator-Programmen und Inkubatoren nach Berlin gehen zu müssen. Das ändert sich derzeit und viele Corporate-Förderprogramme starten nun hier an ihrem Standort.

 

Ist Rhein-Main ein reiner Fintech-Standort? Unser StartupSpot sagt ja jetzt bereits schon etwas anderes…

Wir sehen heute im StartupSpot Rhein-Main einen FinTech-Anteil von etwas über 20%. Die FinTech-Community in Rhein-Main hat allerdings in den letzten 2-3 Jahren erst richtig Fahrt aufgenommen, nachdem u.a. das FinTech-Hub der Deutschen Börse, das Fintech Headquarter sowie das TechQuartier an den Start gegangen sind. Es ist gut möglich, dass die Quote über die nächsten Jahre nach oben gehen wird.

FrankfurtRheinMain als Großraum ist aber sehr breit aufgestellt. Wir sehen sehr viele Anbieter, die B2B-Geschäftsmodelle aufziehen und hier aufgrund der Wirtschaftskraft der Region auf eine großartige Kundenbasis stoßen. Wir sehen im Spot, dass die Bereiche Tech, Media und Services deutlich über 40% ausmachen. Viele Innovationen und Geschäftsmodelle entwickeln sich auch aus der bestehenden starken Agentur-Landschaft und Kreativ-Szene heraus.

In Darmstadt sehen wir aus der TU Darmstadt heraus viele Ausgründungen aus der Forschung. Auch ist Darmstadt mit dem ESOC (European Space Operations Centre) „Europas Tor zum Weltraum“. Und mit SpaceStarters gibt es jetzt sogar eine Crowdfunding-Plattform für Unternehmen und Projekte, die den Weltraum kommerziell erschließen wollen.

Es gibt aber auch ganz andere regionale Themen. So haben wir mit Rheinhessen und dem Rheingau z.B. zwei Weinbau-Regionen hier, die eine Basis für einige E-Commerce-Startups in dem Bereich bilden.
Zu erwähnen sind auf jeden Fall auch noch Pharma und Mobility, wo wir große Spieler haben, die zunehmend auch den Wert einer engeren Zusammenarbeit mit Startups aus der Region sehen und mit ihren Förderprogrammen Gründer unterstützen.

Die Vielfalt ist also sehr groß.

Launch StartupSpot Rhein-Main in der Digital Fabrik

Welche Startups haben deiner Meinung nach das Potential die nächsten Unicorns von Rhein-Main zu werden?

Wir sind mittlerweile ganz gut bei den Rahmenbedingungen für die frühen Phasen der Gründung, einige Growth-Unternehmen berichten noch von Herausforderungen in der Wachstumsphase. Die Finanzierungsrunden laufen hier häufig noch zurückhaltender als an den großen Startup-Standorten ab.

Insofern wäre ich auch in der Prognose von Unicorns aktuell noch zurückhaltend, bin aber auch aufgrund der zunehmend größer werdenden Anzahl sowie auch Höhen der Finanzierungsrunden für Startups in der Region zuversichtlich, dass die Voraussetzungen für Gründungen aus der Region insbesondere im Fintech-Bereich sich so weiterentwickeln, dass wir große Stories aus der Region erwarten können. Ob es dann zum Unicorn-Status reicht oder nicht, wird sich zeigen.

 

Gibt es hidden Champions bei Euch am Standort, die keiner auf dem Zettel hat?

Definitiv. Shopgate ist da auf jeden Fall zu nennen. Von Butzbach aus haben sie eine echte Erfolgsgeschichte im Mobile Commerce geschrieben und sind weiterhin stark am expandieren. Mittlerweile sind sie mit über 200 Mitarbeitern an mehreren Standorten in Deutschland und auch in den USA aktiv.

Es gibt auch einige erfolgreiche Crowdfunder in der Region. So ist Antelope eines der erfolgreichsten deutschen Crowdfundings mit einer Gesamtsumme von über 1 Millonen Dollar. Sie haben bei euch ja auch den Startups@Reeperbahn 2015 Pitch gewonnen. Und COBI, ein Startup für “Connected Biking”, hat rund 400.000 Dollar über Kickstarter eingesammelt.

Weiterhin haben wir eine Reihe von Seriengründern in der Region, die gerade an ihrem “next big thing” arbeiten. Gerald Heidenreich zum Beispiel, der BuyVIP aufgebaut und an Amazon verkauft hat, und jetzt in Frankfurt am Social Selling-Startup Pippa&Jean arbeitet.

Oder Christopher Oster, der in Berlin Wimdu mit gegründet und aufgebaut hat, und nun in Frankfurt am InsurTech-Startup Clark arbeitet und kürzlich mit seinem Team eine 8-stellige Finanzierungsrunde abgeschlossen hat.

Welches sind die wichtigsten Netzwerke und Institutionen, die angehende Startups unbedingt kennen müssten?

Lokal gibt es zunächst einmal die Wirtschaftsförderungen und IHKs, mit deren Angeboten man sich beschäftigen kann. Das ist sehr lokal und vor allem auf die Basics einer Gründung ausgelegt. Dennoch lohnt es, da mal nachzuschauen, da die Angebote dort in den letzten Jahren teils nachgebessert wurden. Teile der Angebote werden auch zusammen mit Akteuren der Startup-Szene durchgeführt, wie etwa beispielhaft der Startup-Sprechtag in Wiesbaden.

Ansonsten hilft das Verfolgen von unserem Blog, von #RheinMainRocks auf Twitter, sowie ein Eintritt in unsere Facebook-Gruppe oder unseren Slack (invite auf Anfrage an rheinmainstartups@gmail.com). Kurze Frage in die Runde und ihr bekommt für euren speziellen Fall und eure aktuelle Fragestellung die notwendigen Tipps, wo ihr euch hinwenden könnt.

 

Auf welche Events müssen sie unbedingt gehen?

Meine konkrete Empfehlung würde vom Thema der Gründung und dem Standort abhängen. Ich würde tendenziell, wenn ich neu gründen würde, mit einer thematischen Recherche auf Meetup.com und dem Besuch von einem klassischen Startup-Treffen starten und mich dann langsam weiter vorantasten.

Es gibt eigentlich in jeder Stadt regelmäßige Gründertreffen, wie den Founders Roundtable in Frankfurt, das Gründerfrühstück in Wiesbaden oder das Mainzer Gründertreffen. Der Vorteil unserer Region ist, dass wir Städteübergreifend stark vernetzt sind und man sich relativ schnell einen Überblick verschaffen kann, wer die relevanten Player in einem Bereich sind.

Für die FinTech-Gründer sind Between the Towers und das Fintech Meetup z.B. zwei Eventreihen, die sie einmal besuchen sollten.

Durch ein Abonnement vom kostenfreien StartupDigest-Newsletter für FrankfurtRheinMain kann man sicherstellen, die wichtigsten Events der Region mitzubekommen. Auch auf hallo frankfurt gibt es eine wöchentliche Übersicht der Startup- und Tech-Events der Region. Wer dazu dann noch #RheinMainRocks auf Twitter beobachtet und einmal bei Usergroups RheinMain vorbeischaut, dürfte so ziemlich kein relevantes Event in der Region verpassen.

 

Wie schwer ist die Startup-Arbeit für private Plattformen, wie deiner im Rhein-Main Gebiet?

Die Verteilung über unterschiedliche Städte und Bundesländer dürfte Schwierigkeiten mit sich bringen.
Eine Herausforderung ist sicherlich, dass wir an einem Tag mit der Stadt Frankfurt sprechen, am nächsten Tag mit der Stadt Wiesbaden und dann mit der Stadt Mainz. Das lässt sich beliebig mit Offenbach, Darmstadt,… fortführen. 😉

Das macht alleine schon deutlich, dass es auch die Landesebene braucht, um größere Entwicklungen zu stemmen.

Jede der Städte bringt aber auch ihre lokalen Eigenheiten und Stärken mit. Die gilt es für uns zu nutzen. Ich glaube, dass die Stärke, die wir als private Akteure und Plattformen einbringen können, genau darin liegt, die Städte- und Landesgrenzen zu überwinden und als Mittler zu fungieren.

So hat Caro Wagner mit start zero den Anlauf genommen, die Player der Region regelmäßig an einen Tisch zu bringen. Vor Jahren hat Mario Hachemer dazu schon einen Anlauf mit dem “Gründerhub FrankfurtRheinMain” genommen. Diese Arbeit erfordert viel Energie und verdient viel Respekt. Es braucht auf jeden Fall viel Ausdauer.

Paul bei der Eröffnung vom StartupSpot Rhein-Main.

Paul bei der Eröffnung vom StartupSpot Rhein-Main.

Was zählt zu Deinen größten Herausforderungen, die dir in der Startup Arbeit begegnet sind?

Gute Leute für das Thema zu begeistern ist denke ich eine der größten Herausforderungen. Der Arbeitsmarkt in der Region ist sehr stark. Gute Talente werden mit Kusshand noch vor dem Hochschul-Abschluss in gut bezahlte Anstellungen übernommen. Den Gründergeist zu wecken und sie zu motivieren, ihr eigenes Ding zu machen, ist eine Herausforderung.

 

Was bringt dir Freude?

“Kickass Software, Rock’n’Roll Teams” 🙂 Ich bin super gerne als Mentor mit am Start, wenn gute Teams etwas cooles auf die Beine stellen. Das gilt innerhalb unseres Unternehmens, aber auch beim Startup Weekend/Startup Melt, oder in Kürze auch im Rahmen eines Wahlpflichtfachs “Lean Startup” an der Hochschule Rhein-Main.

Weiterhin macht es mir Spaß, bei der Veranstaltungsreihe Gründer berichten mehr über die Hintergründe und die Gründerpersönlichkeiten zu erfahren. In der Regel steht hinter jeder Gründung auch eine spannende Geschichte.

 

Was sind Deine Ziele mit Rhein-Main Startups?

Die Sichtbarkeit und Vernetzung innerhalb und außerhalb der Region zu erhöhen ist weiterhin das wichtigste Ziel für Rhein-Main Startups. Dafür brauchen wir Unterstützung in der Redaktion und im Networking. Das Ganze auf breitere Beine zu stellen und damit auf ein neues Level zu heben, ist der nächste Schritt.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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