Wenn Politik und Startups aufeinander treffen

Kolumne von Jörg Diehl

Oft liest man in einschlägigen Zeitungen und Magazinen Überschriften wie: „Wenn Ihr die Chance hättet, einmal direkt mit der Bundeswirtschaftsministerin zu sprechen, über was würdet Ihr mit ihr reden?“  Am 03. August hatten 4 Vertreter von Startups die Gelegenheit direkt mit 4 Politikern von CDU, SPD, FDP und Grüne in einen direkten Dialog zu treten und sich zu aktuellen Themen auszutauschen, die ihnen auf der Seele brennen.

Vier Startups gegen vier Politiker

Between the Towers on Tour, eine regelmäßige Veranstaltung der Fintech Szene Frankfurt hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Startups e.V. und Merck KgaA zur Veranstaltung „Startup meets Politics“ eingeladen. Vier Vertreter von Startups konnten sich direkt mit vier Vertretern aus der Politik unterhalten. Auf Startup Seite waren Julia Kasper (holzgespür), Dagmar Bottenbruch (Business Angel), Yassin Hankir (savedroid) und Malte Weiss (on apply) vor Ort. Für die Politik waren Manuel Höferlin (FDP), Karin Wolff (CDU), Daniela Wagner (B90/Die Grünen) und Christel Sprößler (SPD) dabei. Positiv überrascht hat mich hierbei der hohe Frauenanteil auf beiden Seiten.

Als Keynote Speaker war Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, den ganzen Abend vor Ort. In Ihrer Ansprache verwies die Bundesministerin auf Verbesserungen zur Förderung von Wagniskapital und Initiativen der Bundesregierung zur Schaffung verschiedener Hub-Regionen in der ganzen Bundesrepublik, um bessere Bedingung für Gründungen zu schaffen.

Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie

Der Staat schlägt mit voller Wucht der Bürokratie zu

Ihr kennt das sicher, man arbeitet mit Herzblut daran, sein Unternehmen zum Laufen zu bringen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, damit man seine Ideen erfolgreich umsetzen kann. Man brennt für sein Unternehmen und tut alles, damit man sich erfolgreich am Markt etablieren kann. Damit das Unternehmen nicht sang- und klanglos vom Markt verschwindet, begibt man sich dann auch noch auf die Suche nach geeigneten Investoren, die dem Unternehmen dringend benötigtes Kapital zur Verfügung stellen und zu langfristigem Erfolg verhelfen sollen. Als wäre dies nicht mühselig genug, schlägt nun der Staat mit voller Wucht der Bürokratie zu. Es gibt zahlreiche Richtlinien zu Steuerrecht, Arbeitsrecht, Datenschutz, Regulierung etc. und natürlich sollte man all diese Dinge im Bootstrapping Modus erledigen, damit man seinen Investoren zeigt, wie sehr man sich für sein Unternehmen einsetzt und an den Erfolg glaubt.

Gründer fordern eine Schonfrist für Startups

Das waren einige der Themen, die Startups bewegen und zu denen sie sich mit den anwesenden Politikern austauschen konnten. So kam zum Beispiel von Startup Seite der konkrete Vorschlag, dass man Startups grundsätzlich eine Schonfrist von zwei Jahren geben sollte, bevor man sie der ganzen Bürokratie und Regulierung unterwirft. Damit gibt man den Gründern erst mal Zeit ein erfolgreiches Unternehmen auf die Beine zu stellen. Gründer könnten sich voll und ganz darauf konzentrieren, Ihr Startup erfolgreich am Markt zu etablieren, anstatt sich täglich den mühsamen Weg durch den Behördendschungel bahnen zu müssen. Politiker müssen auf Startups hören, nicht umgekehrt. Bestehende Gesetze sollten modernisiert und den modernen Gegebenheiten angepasst werden. Die Politik soll den IHKs mal in den Hintern treten, damit Startups besser unterstützen waren weitere Forderung, die Startups mit den Politikern diskutieren konnten.

Alles in Allem war es eine tolle Veranstaltung. Der Meinungsaustausch war erfrischend offen. Die Anwesenheit von Brigitte Zypries war ein Highlight. Besonders beeindruckt hat mich die Offenheit der Ministerin. Schon in der Vergangenheit ist mir aufgefallen, dass Frau Zypries sich immer wieder Zeit für ein persönliches Gespräch mit anwesenden Personen nimmt und auch versucht länger vor Ort zu bleiben um der Veranstaltung zu folgen.

Ich habe bereits andere Politiker, Staatssekretäre, Bundesminister erlebt, die sich zehn Minuten Zeit für Ihre Rede nehmen, um danach gleich wieder zu verschwinden. Dabei werden sie derart von den anwesenden Menschen abgeschirmt, dass es gar nicht zu einem persönlichen Kontakt kommen kann. Brigitte Zypries zeigt sich hier erfrischend anders, offen und ansprechbar. Das macht sie sehr sympathisch. 

„Startup meets Politics“

Fazit

Solche Veranstaltungen wünsche ich mir regelmäßig, auch außerhalb von Wahlkampfzeiten. Es ist an der Zeit, dass ein frischer Wind durchs Land weht. Startup Kultur muss gelebt werden und nicht nur als Schlagwort in Parteiprogrammen alle vier Jahre im Wahlkampf auftauchen. Regelmäßiger direkter Austausch, wie bei dieser Veranstaltung wäre hier ein erster Schritt. Ansonsten riskieren wir es, mal wieder vom Ausland abgehängt zu werden

 

Zum Autor Jörg Diehl

Jörg Diehl aescuvestJörg Diehl bewegt sich seit etwa fünf Jahren in der Startup Szene. Zunächst als Serien-Crowdinvestor, dann seit 2014 als Business Angel und Mitgründer von aescuvest.

aescuvest ist die erste Crowdinvesting-Plattform mit Fokus auf Unternehmen aus der Gesundheitswirschaft in Europa. Als Head Innovation Scout ist er in der gesamten Bundesrepublik und im EU Ausland unterwegs, als Gast bei einschlägigen Pitch Events, als Gutachter bei verschiedenen BP Wettbewerben im Life Science Bereich und als Panellist bei großen Branchen-Events.

 

 

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