5 weibliche Vorbilder der Geschichte

Wenn nach Vorbildern in Wissenschaft und Unternehmertum gefragt wird, fallen fast immer die Namen von Männern. Dabei ist Geschichte voll von Frauen, die Bahnbrechendes auf ihrem Gebiet geleistet haben. Einige von ihnen kennt fast jeder, andere blieb der berechtigte Ruhm verwehrt. Wir stellen heute fünf Frauen vor, die die moderne Welt mitgeprägt haben.

Ada Lovelace (1815 – 1852)

Gemälde von Margaret Sarah Carpenter

Als Tochter des englischen Dichters Lord Byron hatte es Augusta Ada Byron, Countess of Lovelace (kurz: Ada Lovelace), leichter als andere Frauen ihrer Zeit eine naturwissenschaftlichen Ausbildung zu erlangen. So wurde sie Mitarbeiterin von Charles Babbage, der als Erfinder des Computers gilt. Seine „Analytical Engine“ wurde allerdings zu seinen Lebzeiten nicht vollendet. Wie wir heute wissen, kommt in der Praxis kein Computer ohne Programmiersprache aus, und in der Theorie war das schon damals nicht anders. Lovelace entwickelte Konzepte zur Rechnerarchitektur und Grundlagen der Programmierung, die viel Lob fanden und dann lange vernachlässigt wurden. Erst gut hundert Jahre nach ihrem Tod werden ihre schlicht „Notes“ genannten Berechnungen wiederveröffentlicht. Seither wächst stetig ihr Ruhm als erster Mensch überhaupt, der sich mit dem Programmieren beschäftigt hat. Die Programmiersprache Ada trägt ebenso ihren Namen wie die Lovelace Medal, die die British Computer Society seit 1998 verleiht. Am zweiten Donnerstag im Oktober feiern ihre Fans zudem den Ada Lovelace Day und ehren dabei alle Frauen in technisch-mathematischen Berufen.

(Bild: Gemälde von Margaret Sarah Carpenter)

Melitta Bentz (1873 – 1950)

Die Dresdnerin Melitta Bentz war die Tochter eines Buchhändlers und als Hausfrau und Mutter zunächst damit beschäftigt, sich die Hausarbeit so leicht wie möglich zu machen. Kaffeekochen war Anfang des 20. Jahrhunderts noch recht umständlich, besonders der Kaffeesatz verursachte Probleme. Also bastelte Bentz aus Löschpapier und einer durchlöcherten Konservendose den ersten Kaffeefilter. Ein etwas ausgereifteres Modell erhielt 1908 Gebrauchsmusterschutz, noch im selben Jahr gründete sie das Unternehmen „M. Bentz“, mit einem Eigenkapital von 73 Pfennig. Ihr Ehemann Hugo und die Söhne Willy und Horst waren ihre ersten Angestellten, doch dabei blieb es nicht lange. Schnell wuchs der Familienbetrieb zu einem Erfolgsunternehmen heran, das im Laufe der Jahre mehrfach umziehen musste, weil die Produktionsräume zu klein wurden. Seit 1929 ist der Firmensitz in Minden. Die Melitta Group Management GmbH & Co. KG hat mittlerweile Standorte auf drei Kontinenten und über 4.000 Beschäftigte. Und Melitta ist zumindest im deutschsprachigen Raum nach wie vor ein Synonym für die Filtertüte.

Coco Chanel (1883 – 1971)

Der Gründer als Marke – in der Digitalwirtschaft gilt das zukunftsweisende Werbestrategie. In der Modebranche dagegen ist das ein alter Hut, kreiert von Coco Chanel. Chanel wuchs als Tochter eines Hausierers und einer Wäscherin in bescheidenen Verhältnissen und zeitweise im Waisenhaus auf. Sie erlernte den Beruf der Näherin und eröffnete 1910 in Paris ihr erstes Geschäft, ein Hutatelier. Damit legte sie den Grundstein für ein Modeimperium. Schon 1916 beschäftigte sie 300 Näherinnen, 1936 hatte sie 4.000 Angestellte. Ihr Einfluss auf die Modewelt gilt als unübertroffen. Als Beispiele seien nur das „kleine Schwarze“, das Parfum Nº 5 und das Chanel-Kostüm genannt, allesamt Pionierleistungen und Klassiker, die bis heute modern sind. Chanel war Unternehmerin, Künstlerin und eben Schöpferin einer Marke, die untrennbar mit ihrem Namen verbunden ist.

Cecilia Payne (1900 – 1979)

Foto: Smithsonian Institution

Woraus bestehen Sterne? Noch vor weniger als hundert Jahren gab es auf diese Frage keine korrekte Antwort. In den 1920er Jahren ging die Wissenschaft davon aus, dass die Sonne und andere Sterne im Prinzip die gleiche chemische Zusammensetzung aufwiesen wie die Erde. Dann kam Cecilia Payne. Für ihre 1925 veröffentlichte Doktorarbeit an der Harvard University nahm die gebürtige Britin das Sternenlicht ganz genau unter die Lupe. Ihre Spektralanalyse kam zu dem Ergebnis, dass die strahlenden Himmelskörper fast ausschließlich aus Wasserstoff bestanden, mit einem überdurchschnittlichen Anteil an Helium und nur unbedeutenden Spuren anderer Elemente. Der Astronom Henry Norris Russell wollte dieses Ergebnis zuerst nicht wahrhaben und drängte Payne, ihre Aussagen abzuschwächen. Erst vier Jahre später musste Russell endlich einsehen, dass sie recht hatte. Seither gilt ihre Doktorarbeit als einer der Meilensteine in der Geschichte der Astronomie. Ihre Lehre aus dieser Erfahrung hat Payne später in ihrer Autobiografie zusammengefasst. Sie passt noch heute, nicht nur, aber besonders für Frauen in der Wissenschaft, im Geschäftsleben und in vielen anderen Bereichen:

„Ich muss mir vorwerfen lassen, dass ich meinen Standpunkt nicht entschieden genug vertreten habe. Ich hatte der Autorität nachgegeben, obwohl ich glaubte, dass ich Recht hatte. Das ist ein weiteres Beispiel für ‚Wie man Forschung nicht betreibt‘. Ich hebe das hier als Warnung an die Jugend hervor. Wenn du dir deiner Fakten sicher bist, solltest du deine Position verteidigen.“

Hedy Lamarr (1914 – 2000)

Filmfans kennen Hedy Lamarr vielleicht als Hauptdarstellerin aus dem Monumentalfilm „Samson and Delilah“ (1949) oder haben schonmal von dem Skandalstreifen „Ekstase“ (1933) gehört. Dabei war die als Hedwig Eva Maria Kiesler geborene Österreicherin viel mehr als nur eine Kinoschönheit, angeblich die schönste von allen. Sie war auch eine bedeutende Erfinderin. Zusammen mit Komponisten Georg Antheil entwickelte sie eine Funksteuerung für Torpedos und verwendete dabei selbständig wechselnde Frequenzen. Dadurch waren die Torpedos vom Feind nur schwer anzupeilen und zu stören. 1942 erhielt sie dafür ein Patent, aber kein grünes Licht vom US-Militär. Zu kompliziert in der Umsetzung sei das, und außerdem wolle man sich nicht von Außenstehenden reinreden lassen. Erst 1962 kam eine erweiterte Version der Technologie tatsächlich zum Einsatz. Eigentlich nur eine Fußnote der Militärgeschichte, könnte man denken, doch das Frequenzsprungverfahren kommt unter anderem auch bei Bluetooth, im Mobilfunk oder der Fernsteuerung von Drohnen zum Einsatz. Lamarr hat also nicht nur auf der Leinwand einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern erst recht in der High-Tech-Welt.

Über den StartupSpot Female Founders

Es gibt sie, die Gründerinnen – und wir machen sie jetzt sichtbar! Mit dem StartupSpot Female Founders haben wir eine nationale Datenbank geschaffen, in der alle Startups mit mindestens einem weiblichen Gründungsmitglied zu finden sind. Dort bieten wir einen permanenten Einblick über die Entwicklung des Startup-Ökosystems, das von weiblichen Gründern mitgeprägt wird. Über 25 % der deutschen Startup-Teams haben mindestens ein weibliches Gründungsmitglied. Diese Zahl macht deutlich, dass weibliche Gründer keine Randerscheinung mehr sind! Gemeinsam mit unserer Schirmherrin Dagmar Wöhrl, unseren Ambassadoren und unseren Partnern QVC NEXT und Digital Media Women sorgen wir für mehr Sichtbarkeit von weiblichen Rolemodels und ihren Erfolgen! Spannende Geschichten über starke Gründerinnen erwarten euch hier in unserem Female Founders Dossier.