eyecandylab pitcht beim SXSW Accelerator

Virtual Reality (VR) ist ein ganz heißes Thema beim South by Southwest Festival in Austin, Texas. Überraschend feierte hier am Sonntag der Film „Ready Player One“, der VR zum Thema hat, seine Weltpremiere. Schon länger bekannt war, dass als einziges Startup aus Deutschland eyecandylab im prestigeträchtigen SXSW Accelerator-Wettbewerb pitchen durfte, und zwar in der Kategorie „Augmented and Virtual Reality Technologies“. Wir waren live dabei!

Seit 2009 gibt es bei SXSW das Accelerator Pitch Event. Seither waren 403 Startups aus aller Welt dabei, als einziger Teilnehmer aus Deutschland konnte bisher Tinnitracks 2015 mit seiner App gegen Tinnitus gewinnen.  In diesem Jahr traten insgesamt 50 Startups in zehn Kategorien an. Aus deutscher Sicht am spannendsten war es natürlich in der Sparte „Augmented and Virtual Reality Technologies“ mit eyecandylab aus München. Schauen wir uns zunächst die vier Mitbewerber an, die wie eyecandylab ihren öffentlichen Pitch am Samstag, den 10. März im Austin Hilton hatten.

Hat mit dem SXSW Accelerator nur am Rande zu tun, aber viel mit dem Thema VR: Werbung für den Film „Ready Player One“ von Steven Spielberg, der am Sonntag Weltpremiere hatte.

Vier Team aus Kalifornien und Montreal sind die Mitbewerber von eyecandylab

Der Blocker von AfterNow aus Culver City, Kalifornien machte den Anfang. Blocker ist ein Augmented Reality Director’s Viewfinder, der es Filmemachern ermöglicht, ihre Aufnahmen mit virtuellen Kameras und Set-Elementen in der Vorschau zu betrachten. 500.000 professionelle Filmemacher sind die Zielgruppe, über 4.000 aktive Nutzer pro Monat hat die App bereits.

ARWall aus Los Angeles hat ein AR-Display entwickelt, das kein Headset, keine Brille und auch sonst kein smartes Gerät benötigt. Das ehrgeizige Ziel ist es, die bei der Filmproduktion weit verbreitete „Green Screen“ überflüssig zu machen. Dadürch könnten bis zu 40 % der Kosten für Spezialeffekte eingespart werden.

Moderatorin Leah Hunter mit der Jury Selina Troesch (Touchdown Ventures), Tipatat Chennavasin (The Venture Reality Fund) und Martina Welkhoff (Women in XR)

CieAR aus dem kanadischen Montreal entwickelt eine Augmented Reality-Plattform, Tools und maßgeschneiderte Augmented Reality-Inhalte. Dabei kommen echte Schauspieler zum Einsatz, die mit der aus Filmen wie „Planet der Affen“ bekannten Motion Capture-Methode beispielsweise in Geister verwandelt werden – so in dem CieAR-Film „City of Ghosts“. Ein Einsatzgebiet für das Angebot könnten beispielsweise Einkaufszentren sein.

Ebenfalls aus Montreal angereist war wrnch AI. Dieses Startup bringt Computern das Lesen der menschlichen Körpersprache bei. Das kann durchaus lebensrettend sein, wenn die Software einen Unfall oder einen Herzinfarkt erkennt und einen Arzt rufen kann. Dafür gibt es sicher Punkte beim Bewertungskriterium „Goodness“. Die anderen sind Kreativität, Marktpotenzial, Funktionalität und Team.

Robin Sho Moser von eyecandylab pitcht beim SXSW Accelerator.

eyecandylab erweitert die Realität des Fernsehens

Bei eyecandylab ist die Nähe zum Fernsehen schon in der Adresse sichtbar. Das kaum ein Jahr alte Startup hat seinen Sitz nämlich in Unterföhring, genau wie der TV-Sender Pro7, bei dem einer der Gründer auch gearbeitet hat. Im November 2017 kam es prompt zu einer Zusammenarbeit der beiden Unternehmen. Ursprünglich hatte Pro7 überlegt, etwas mit Virtual Reality zu machen, doch längst nicht jeder hat die dafür notwendige Brille, und außerdem lenkt das Verfahren zu sehr vom eigentlichen Programm ab.

Robin Sho Moser (Co-Founder & COO) und Lucy Trang Nguyen (Business Developer) von execandylab bei SXSW.

Nicht so bei Augmented Reality (AR). Dort wird die Realität lediglich um virtuelle Elemente erweitert. Der Zuschauer muss sich nur eine App herunterladen und das Smartphone in Richtung Fernseher halten. Läuft dort eine kompatible Sendung, sind auf dem Handy ergänzende Informationen in Wort und Bild zu sehen. Im ersten Test Ende vergangenen Jahres klappte das bei elf Filmen innerhalb der Serie „Gallileo“ schon ganz ausgezeichnet. 20 Prozent aller Zuschauer hatten sich die App tatsächlich heruntergeladen und auch genutzt.

augmen.tv nennt eyecandy seine Entwicklung, die inzwischen weit über die deutschen Grenzen hinaus gefragt ist. Der Co-Founder und COO Robin Sho Moser ist inzwischen auch CEO für die USA, Lucy Trang Nguyen treibt das US-Geschäft voran. Zu den Kunden gehören führende amerikanische Filmstudios und Fernsehsender. Daher standen die Chancen nicht schlecht, auch beim SXSW Accelerator erfolgreich zu sein. Am Ende hat zwar ARWall gewonnen, aber für eyecandylab hat sich die Reise trotzdem definitiv gelohnt.