Sophia Amoruso – dieses Girl ist ein Boss

Das Leben von Sophia Amoruso gleicht ein wenig einer Achterbahnfahrt – allerdings mit deutlich mehr Steilstücken nach oben als nach unten. Zur Unternehmerin wurde sie eher zufällig. Heute ist sie erfolgreiche Medienmacherin, und der Name ihrer Webseite ist Programm: Girlboss!

Als Teenager litt sie unter Depressionen. In der Schule war sie nie die Beste. Zeitweise lebte sie von weggeworfenen Lebensmitteln und Ladendiebstählen oder schlug sich mit diversen Jobs durch. Einen richtigen Plan für ihre Zukunft hatte Sophia Amoruso zu Beginn ihrer Karriere nicht, dafür aber ein Gespür für Vintage-Mode und das Kreieren einer Marke. 2006, da war sie 22 Jahre alt, fing sie an, unter dem Namen Nasty Gal auf eBay vor allem Second-Hand-Kleidung zu verkaufen.

Von eBay zum 100 Millionen-Unternehmen

Um bekannter zu werden, nutzte sie das damals schwer angesagte soziale Netzwerk MySpace. So erzielte sie im ersten Jahr einen Umsatz von 75.000 US-Dollar, für Sophia damals als kleines Vermögen. 2008 löste sie sich von eBay und gründete ihren eigenen Online-Shop Nasty Gal. Der Name „Böses Mädel“ war nicht unumstritten, hatte aber einen hohen Wiedererkennungswert. Sophia wurde zur Influencerin in eigener Sache, lange bevor der Begriff in die Marketingwelt Einzug hielt. Durch geschickte Nutzung der sozialen Medien steigerte sie den Umsatz rasant. 2012 setzte Nasty Gal mit eigener Kollektion und weiteren Marken 100 Millionen US-Dollar um.

Sophia Amoruso bei den Online Marketing Rockstars im März 2018

Sophia war zum CEO eines Modeunternehmens geworden, was nie so geplant war. Vieles geschah aus Zufall, weshalb sie aus heutiger Sicht einiges anders machen würde. Zum Beispiel von Beginn an eine verbindliche Unternehmenskultur aufbauen; bei ihr regierte zu oft das Chaos. Als Einzelkind musste sie sich zudem an das Arbeiten im Team gewöhnen. Ihre Erfahrungen bringt sie inzwischen in ihr neues Unternehmen ein, das den Namen ihres Buches trägt: Girlboss.

Girlboss als Buch und Netflix-Serie

Genauer gesagt, heißt das 2014 erschienene Werk, das fast ein halbes Jahr auf der Bestsellerliste der New York Times stand, #GIRLBOSS. Seit Erscheinen wurde dieses Hashtag mehr als 10 Millionen Mal verwendet; Sophia hatte erneut einen Begriff und eine Marke geprägt. Auch das Buch erregte viel Aufmerksamkeit. Die Oscarpreisträgerin Charlize Theron interessierte sich für den Stoff und betätigte sich wie Amoruso als Co-Produzentin einer 2017 auf Netflix ausgestrahlten Comedyserie. Nach einer Staffel war allerdings schon wieder Schluss. Sophia war darüber nur bedingt traurig, schließlich hatte die in der Serie erzählte Geschichte nur wenig mit ihrem wahren Leben zu tun.

Zwischenzeitlich war auch Nasty Gal in Turbulenzen geraten. 2015 hatte sich Sophia vom Posten des CEO zurückgezogen, ein Jahr später musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Der britische Online-Modehändler boohoo übernahm und betreibt den Webshop nach wie vor. Sophia Amoruso dagegen ist froh, inzwischen nicht mehr mit körperlicher Ware zu handeln. Sie ist ganz in die Medienbranche eingestiegen mit ihrer neuen Marke Girlboss.

Girlboss ist zunächst eine Webseite mit einem breiten Angebot von redaktionellen Inhalten für Frauen. Artikel über Wellness und Kosmetik finden sich dort ebenso wie Tipps für die Karriere und zu Geldanlagen. Am populärsten sind die Podcasts. 450.000 Downloads erreichen die pro Monat, regelmäßig sind dort Berühmtheiten aus der Film- und Modewelt zu hören. Die Podcasts sind auch die wichtigste Einnahmequelle für Girlboss. Für eine sechsteilige Serie zahlen Kunden wie der Lippenstifthersteller Sephora zwischen 400.000 und 500.000 US-Dollar.

Das Ziel: Erfolg für Frauen neu definieren

Zwanzig Frauen und ein Mann arbeiten mittlerweile für das 2017 gegründete Unternehmen, das auch die Konferenz Girlboss Rally veranstaltet, jetzt wieder am 28. April in Los Angeles. Die USA bleiben vorerst der wichtigste Markt für Girlboss, auch wenn 10 bis 15 Prozent der Hörerinnen und Leserinnen aus Europa kommen. Auch wenn Sophia inzwischen viel strukturierter arbeitet, ist sie stets offen für neue Ideen, sodass kaum vorhersehbar ist, wohin die Reise geht. Im Vordergrund steht dabei stets der Anspruch, Erfolg neu zu definieren, gerade für Frauen. Frauen sollen mit Girlboss herausfinden können, was für sie wichtig, ungeachtet aller gesellschaftlichen Konventionen. Nicht jede muss Unternehmerin werden. Aber jede kann.

Über den StartupSpot Female Founders

Es gibt sie, die Gründerinnen – und wir machen sie jetzt sichtbar! Mit dem StartupSpot Female Founders haben wir eine nationale Datenbank geschaffen, in der alle Startups mit mindestens einem weiblichen Gründungsmitglied zu finden sind. Dort bieten wir einen permanenten Einblick über die Entwicklung des Startup-Ökosystems, das von weiblichen Gründern mitgeprägt wird. Über 25 % der deutschen Startup-Teams haben mindestens ein weibliches Gründungsmitglied. Diese Zahl macht deutlich, dass weibliche Gründer keine Randerscheinung mehr sind! Gemeinsam mit unserer Schirmherrin Dagmar Wöhrl, unseren Ambassadoren und unseren Partnern QVC NEXT und Digital Media Women sorgen wir für mehr Sichtbarkeit von weiblichen Rolemodels und ihren Erfolgen! Spannende Geschichten über starke Gründerinnen erwarten euch hier in unserem Female Founders Dossier.

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